0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich: Wie entlarvt man das Grauen?, 2. November 2011 Von (D) – Rezension bezieht sich auf: Wer war Adolf Eichmann wirklich? Worin bestand seine Schuld? Was ist das zentrale Merkmal jeder totalitären Diktatur – also auch des NS-Regimes? Das sind die drei Fragen, mit denen sich der Film auseinandersetzt – und zwar auf sehr eindringliche Weise. Gerade weil es sich bei “Eichmann” nicht um einen Dokumentar- oder gar Action-Film handelt, wirken die Antworten, die der Film zu geben versucht ehrlich erarbeitet. Kurzum “Eichmann” erreicht durch seine unaufdringliche Art mehr als die meisten Hollywood-Produktionen zum Thema Holocaust, die durch aufwändig inszenierte Gewalt- und Gefühlsorgien und vor allem durch ihren erhobenen Zeigefinger den Zuschauer auf allzu plumpe Weise manipulieren wollen.Der Ausgangspunkt der Handlung von “Eichmann” ist so klar wie unspektakulär. Der Plot dreht sich um das Verhör Eichmanns durch den israelischen Polizeibeamten und Befragungsspezialisten Avner Less, der für die Anklage eindeutige und unwiderlegbare Beweise suchen soll, die die Schuld Eichmanns zweifelsfrei belegen. Man muss es dem Regisseur angesichts dieser Ausgangslage zugute halten, dass er der Versuchung widerstanden hat, die Konfrontation zwischen Ermittler und uneinsichtigem Täter dramatisch bzw. in Wild-West-Manier zu inszenieren. Es gibt keine Folter oder Waterboarding, es gibt keine Gewaltausbrüche, kein Hau-drauf-Patriotismus und keine offenen Vorwürfe. Es wird während des Verhörs nichts, aber auch gar nichts physisch zerbrochen. Da sitzen einfach zwei Männer, die versuchen emotionslos über Fakten zu reden – der eine mit dem Ziel die niederen Motive des Täters herauszustellen, der andere um seine Rolle bei der Organisation der Endlösung kleinzureden um sich so ein Alibi zu verschaffen.Es geht in dem Film eindeutig nicht um die Frage, ob der Holocaust ein Verbrechen war oder nicht. Auch die Rolle Eichmanns bei der Vernichtung der europäischen Juden ist unstrittig und wird prinzipiell nicht geleugnet – zu erdrückend ist die Beweislast der von Eichmann unterschriebenen Befehle. Es geht aber darum, warum er es tat. Das ist die eigentliche Frage, die über Tod und Leben entscheidet. War er nur ein Befehlsempfänger, der gehorsam seine Anweisungen ausführte, weil er nicht anders konnte, da er ansonsten selbst Konsequenzen zu fürchten hatte? Oder war Eichmann überzeugt von dem, was er tat? Tat er gar mehr als ihm aufgetragen war, weil er so vom verrückten Rassenwahn der Nationalsozialisten durchdrungen war, dass er in den Juden, deren Vernichtung er mitorganisierte keine menschlichen Wesen mehr sah, sondern nur noch Feinde des deutschen Volkes, die erbarmungslos ausgerottet werden müssen? Die Verhörakten, auf denen das Drehbuch des Films zum groÃen Teil beruht, geben die eindeutige Antwort. Der Weg bis zur finalen Offenbarung ist keineswegs ohne Emotionen inszeniert. Ganz im Gegenteil: Der Film hat seine stärksten Momente in den Szenen, in denen sich der Ermittler und der Angeklagte verzweifelt darum bemühen, sich nach auÃen hin nichts anmerken zu lassen. Die grotesken und zutiefst erschreckenden Opferzahlen des Holocausts, die schiere Dimension des Grauens ist auch zu überwältigend, als das es durch einen einmaligen Gefühlsausbruch möglich wäre, sich Erleichterung zu verschaffen.Der Film zeigt in Rückblenden einige Episoden aus dem Leben Eichmanns, die wohl dazu dienen sollen, seinen armseligen Charakter zu beleuchten. Es sind zum Teil drastische Szenen darunter, die die Brutalität der Nazis in Bilder zu gieÃen versuchen. Das ist aber eigentlich nur Mumpitz, der wohl historisch Unbedarfte darüber aufklären soll, was damals an Grausamkeiten geschah und wie verroht das Denken der Nationalsozialisten war. Diese Szenen hätte sich der Regisseur eigentlich sparen können. Denn die Konsequenzen aus dem Handeln Eichmanns lassen sich auch anders aufzeigen.Wirklich brutal wird der Film nämlich dann, wenn es um Worte wie “Effizienz” und “Durchsatz” geht. Es stellt sich heraus, das der Bürokrat Eichmann sich vor allem darum bemühte, die Judenvernichtung in den Konzentrationslagern so effizient und “kostensparend” zu organisieren wie irgend möglich. Statt ErschieÃungen und Vergiftung mit Autoabgasen schlug er den Einsatz des Entlausungsmittels Zyklon-B vor, um die Vernichtungseffizenz der Lager zu verbessern – um nur ein Beispiel zu nennen. Nur so lieÃen sich die von der Führung vorgegebenen Soll-Zahlen erfüllen. Massenmord in industriellem MaÃstab, mitorganisiert vom anscheinend harmlosen Verwaltungsspezialisten und Prozessoptimierer Adolf Eichmann. Das ist das eigentliche Grauen, die Banalität des Bösen, dessen unglaubliches Ausmaà sich erst auf dem zweiten Blick wirklich erschlieÃt, weil die… Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen War diese Rezension für Sie hilfreich? | Â
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